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Recht so! Folge 2: Das eigenhändige Testament

Wer das 16. Lebensjahr vollendet hat, darf nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch selbst sein Testament errichten. Die einfachste Form ist das eigenhändige Testament. Das Gesetz sagt dazu: Dieses Testament muss eigenhändig errichtet und unterschrieben sein. Das sollte doch keine größeren Probleme aufwerfen, oder? Weit gefehlt! So etwa im nachfolgenden

 

Fall: Herr Gründlich ist sehr gewissenhaft und will seinen Nachlaß regeln. Seine Handschrift entsprach leider schon immer dem, was man im Volksmund „eine Sauklaue“ nennt, und dem Herrn Gründlich war dies auch immer schmerzlich bewusst. Zur besseren Leserlichkeit tippt er daher sein Testament in den Computer, druckt es aus, unterschreibt es und legt es in die Schublade. Da er sich mit seinen Kindern völlig zerstritten hat, setzt er in dem Testament seinen Neffen als Alleinerben ein. Einige Jahr später verstirbt Herr Gründlich, und sein Neffe findet das Testament in der Schublade. Der Neffe freut sich über das unerwartete Erbe...

 

… doch leider zu früh! Wie ihn der Nachlaßrichter belehrt, ist das Testament nicht formwirksam errichtet worden. „Eigenhändig“ bedeutet nämlich: Handschriftlich! Und zwar gilt dies nicht nur für die Unterschrift, sondern auch für den gesamten Text.

Viel ist also gar nicht zu berücksichtigen, und doch kann man es falsch machen.

Ihnen ist nach der Niederschrift Ihres Testamentes noch etwas eingefallen, und Sie setzen ein ergänzendes Postskriptum unter Ihre Unterschrift? Das ist auch keine gute Idee: Denn die Unterschrift heißt so nicht ohne Grund – sie schließt eine Erklärung ab! Nachträge werden von dieser Unterschrift gerade nicht erfasst.

Daneben sollte in einem Testament außerdem angeben werden, wann und wo das Testament niedergeschrieben wurde. Und die Unterschrift sollte Vor- und Nachname enthalten.

Warum sind diese Angaben sinnvoll? Man kann mit ihnen das Testament dem Ersteller einwandfrei zuordnen.

Und manchmal kommt es auch vor, dass jemand in seinem Leben nicht nur ein Testament errichtet, sondern es werden mehrere erstellt und dann vielleicht vergessen. So leicht der Gesetzgeber die Errichtung eines Testamentes macht, so leicht macht er auch die Änderung eines solchen letzten Willens. Die gründlichste Form der Änderung ist die physische Vernichtung des Testamentes. Aber man kann seinen letzten Willen auch einfach durch ein neues Testament ändern, mit dem das alte widerrufen wird. Manchmal wird ein solcher Widerruf nicht erklärt, weil das alte Schriftstück nämlich in Vergessenheit geraten ist, aber nach dem Tode des Erblassers aufgefunden wird. Dann gelten die Regelungen des neuen Schriftstückes, sobald sich diese im Widerspruch zu dem älteren Schriftstück befinden. Wie soll aber die Nachwelt herausfinden, welches Schriftstück das neuere ist? Eben: Datum und Ort geben hierüber Aufschluß. Deren Angabe sollte daher nicht vergessen werden.

Bei Zweifeln über die Wirksamkeit Ihres eigenhändigen Testamentes sollten Sie Ihren Anwalt befragen.

Zuständig für das Referat Erbrecht: Rechtsanwalt Stephan Schilling
Schilling, Peters GbR | Rechtsanwalts- und Steuerkanzlei | 76297 Stutensee

14.03.2017 | Erbrecht

Recht so! Folge 2: Das eigenhändige Testament

Wer das 16. Lebensjahr vollendet hat, darf nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch...